Der Brander Kaspar schaut ins Paradies – Aus der Sicht unserer Bühnentür

Damit hatte wirklich keiner gerechnet. Der Sommer 2001 war für uns eine ganz normale Theatersaison. Die Stadt Weißenburg kaufte das Stück „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“ als Produktion unseres Vereins für die Bergwaldtheatersaison. Zwei Aufführungen und fertig. Wie immer halt. 

Doch dann ging der Erfolg los. Das Publikum war begeistert – ich auch. Schließlich hatte ich eine absolut tragende Rolle in dem Stück. In der Schlüsselszene, wenn der Brander den Tod beim Kartenspielen bescheißt, bin ich immer im Bild. Dazu kommt, dass der Boanlkramer mich braucht, um überhaupt zum Brander zu kommen. Und der Brander muss über meine glänzenden Eisenschienen steigen, damit er überhaupt ins Paradies kommt.

Also Sie sehen, ohne mich wäre das alles nicht möglich. Jedenfalls waren Publikum, Presse und Stadt so begeistert, dass seitdem jedes Jahr der Brander Kaspar im Bergwaldtheater ins Paradies schaut.

Allerdings ging das 2001 alles noch etwas gemütlicher zu und ich musste mir nicht so lange die Halteschienen in den Türrahmen stehen. Die ganze Künstlerbagage hat immer wieder eins draufgesetzt. Von rund 100 Minuten Spielzeit sind wir jetzt bei fast zweieinhalb Stunden angekommen.

Unglaublich, wer da plötzlich alles mit auftaucht. Alphornbläser, Goißllschnalzer und die Diatonischen Druckknöpfe. Gott sei Dank haben die Schauspieler auch endlich jemanden gefunden, der richtig Gstanzl singen kann. Das haben die in den ersten Jahren selber probiert und ich kann Ihnen sagen, da hat es mir an manchen Stellen mein Türblatt ganz schön verzogen.

Auch bei manchen textlichen Schwächen wäre ich am liebsten aus  dem Türrahmen gefahren. Am gefährlichsten war da immer die Geburtstagsszene vom Brandner Kaspar. Was da schon alles passiert ist – manchmal habe ich da in meinen Eisenschienen ganz schön gezittert. Aber – Holz sei Dank – hat das meistens keiner gemerkt. Und natürlich wird das hier auch nicht verraten. Das ein oder andere kleine Geheimnis muss man doch jedem Schauspieler lassen.

Aber mit den Jahren hat sich das sowieso alles ganz schön eingespielt. Mittlerweile kann ich mich getrost in meine Scharniere zurücklehnen und denken: „Den Griff immer ganz locker lassen. Die Jungs und Mädels können das. Sind ja schon richtige Profis geworden.“